21.11.2009
Klassenpiel der 8a
Antonio, einem Kaufmann in Venedig, schwimmen eine Reihe von Schiffen auf den Meeren, die seinen Reichtum ausmachen. Ohne lange Besinnung borgt er von dem Juden Shylock die Summe von dreitausend Dukaten. Er stattet damit seinen Freund Bassanio aus, der um die Hand der schönen Porzia werben möchte. Shylock, von tiefem Hass gegen die Christen erfüllt, die ihn aufs Übelste verachten, verspotten und seinen Handel behindern, sieht hierin eine willkommene Gelegenheit, an Antonio, den er vor allen anderen hasst, Rache zu üben.
Er lässt sich einen Schuldschein unterschreiben, der ihm gestattet, im Falle der Nichtrückzahlung des Geldes zum vereinbarten Termin ein Pfund Fleisch aus dem Körper Antonios zu schneiden. In Belmont, dem Landsitz Porzias, bewerben sich indessen die Prinzen von Marocco und von Aragon um Porzias Hand. Nach dem Wunsche ihres verstorbenen Vaters erlangt sie nur der, der von drei Kästchen ( einem goldenen, einem silbernen und einem bleiernen) dasjenige wählt, das Porzias Bildnis enthält. Nachdem die Prinzen in äußerlicher Prachtliebe und eitler Selbstbespiegelung die falschen Kästchen gewählt haben, ist es Bassanio vergönnt, mit der Wahl des bleiernen Kästchens die Hand Porzias zu gewinnen, deren Herz ihm bereits vorher gehörte. Ihre Gesellschafterin Nerissa
Findet gleichzeitig zu Bassanios Freund Graziano. In Venedig haben sich inzwischen schlimme Dinge ereignet. Antonios Schiffe sind gesunken, sein Reichtum ist dahin, und Shylock besteht auf seinen Schein. Rache an Antonio ist sein einziger Gedanke, zugleich sein Trost über die Entführung seiner Tochte Jessica durch den jungen Venizianer Lorenzo. Als die Nachricht von Antonios Missgeschick in Belmont eintrifft, bricht Bassanio sofort mit Graziano nach Venedig auf, um dem Freund in seinem Unglück beizustehen. Aber auch Porzia und Nerissa verlassen Belmont, „ wie junge Männer aufgestuzt“, um ihnen zu einem „Anschlag“ zu folgen, den sich Porzia erdacht hat. Im Gerichtssaal von Venedig spitzt sich nun der Konflikt zwischen Antonio und Shylock fast bis zur Tragödie zu. Der jüdische Kaufmann besteht auf seinen Schein und ist allen Ermahnungen zur Milde von Seiten des Dogen unzugänglich.
Auch die doppelte Summe, die ihm Bassanio bietet, schlägt er aus. Das Gericht hat zur Überprüfung des schwierigen Rechtsfalles die Stellungnahme des namhaften Rechtsgelehrten Dr. Bellario eingeholt. Porzia und Nerissa (als junger Doktor von Rom und sein Schreiber verkleidet) überbringen das Gutachten des Gelehrten, und Porzia übernimmt nun die Führung der weiteren Verhandlung. Noch einmal versucht sie Shylock zur Mäßigung zu bewegen, um dann, als er verstockt bleibt und schon das Messer zückt, mit dem er Antonio zu Leibe gehen will, den auf sein Recht Pochenden mit den Waffen des Rechts zu schlagen. Hab und Gut
Shylocks sind nach dem Gesetz Venedigs dem Staat verfallen, wenn er bei dem Vollzug seines Anspruchs nur ein Tröpfchen Blut von Antonio vergießt. Auch hat das Gesetz einen Anspruch auf Güterentzug, ja auf sein Leben, weil er einem Bürger Venedigs nach dem Leben trachtete. Der völlig gebrochene Shylock verlässt die Sitzung und erklärt sich zu allem bereit, was das Gericht von ihm verlangt, wozu auch gehört, dass er sich zum Christentum bekennt und alles, was er hinterlässt, an seine entlaufene Tochter Jessica und Lorenzo vermacht. Nach der damatisch bewegten Gerichtsszene, klingt das Stück mit einem heiteren,
von Musik erfüllten Nachspiel in Belmont aus, das die drei Liebespaare ( Porzia – Bassanio,Nerissa – Graziano, Jessica – Lorenzo) in glücklicher Vereinigung zeigt, in ihrer Mitte Antonio, dem die frohe Nachricht zuteil wird, dass doch nicht alle seine Schiffe versanken.
Der Kaufmann von Venedig ist eines der meistgespielten Dramen Shakespeares. Begeistert von der meisterhaften Komposition, stellten wir uns doch die Frage, ob ein Theaterstück, in dem ein Jude so negativ dargestellt wird, nach dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland noch gespielt werden kann. Der Probenarbeit ging eine Beschäftigung mit dem tragischen Schicksal des jüdischen Volkes voraus. Wir kamen zu der Überzeugung, dass der Kern des Stückes in einer Verallgemeinerung der Charaktere liegt, indem jenseits von Christentum und Judentum Unterdrücker und Unterdrückte gezeigt werden und „ das wahnsinnig
Schmerzliche Aufjauchzen dieser letzteren, wenn sie ihren übermütigen Quälern die zugefügten Kränkungen mit Zinsen zurückzahlen können“ (Heinrich Heine). Darüber hinaus wird in Shylock ein Charakter gezeichnet, der in seiner gewissenlosen, bis aufs Blut gehenden Geldgier und der damit einhergehenden menschlichen Entfremdung Züge zeigt, die uns in jüngster Zeit im Rahmen der Finanzkrise durchaus bekannt oder nicht sehr übertrieben erscheinen dürften.
Jürgen Remmel



















