21.06.2010
Wer hat denn eigentlich bestanden?
Wir gratulieren unseren diesjährigen Abiturienten, die im Rahmen des Zentralabitures Ihre Prüfung bestanden haben.
Dies sind die glücklichen Abiturienten:
Clara Laila Abid Alsstar, Magdalena Altenstädter, David Barski, Pauline Berger, Friederike Bock, Kim-Fabian von Dall’Armi, Maray Dietrich, Miriam Dietrich, Sonja Dreyer, Laura van Exter, Marlon Fedke, Maj-Britt Franke, Elisa Frucht, Luisa Geier, Liv Hanson, Anna-Lena Harms, Lukas Jäger, Anneke Jansen, Jonas Kornhuber, Sophie Krauß, Keno Lüders, Leo Manow, René Manthey, Janina Marißen, Clemens Mauff, Renata Müller-Tiburtius, Benjamin Peppel, Marc David Pratt-Yule, Lena Sand, Lukas Scharnberg, Larissa Schimitzek, Lisa Schmidt, Sarah Schmidt, Valentin Sies, Marie Simons, Clara Stellbrink, Lukas Stolz, Amadea Strauß, David Voigt, Beatrix Wartiainen, Jonas Wentritt, Frederick Wilke, Marlene Wölfle, Alina Zourek.
David Barski hat im Rahmen dieser Feier einen kleinen Rückblick gehalten, den wir gerne hier wiedergeben:
Ich habe mich gestern Abend hingesetzt und noch einmal über unsere Zeit hier an der Rudolf Steiner nachgedacht und einige Gedanken aufgeschrieben.
Zuerst wollte ich mit dem Zitat aus Goethes Faust beginnen:
„Hier steh´ ich nun ich armer Tor und bin so klug als wie zuvor“.
Dann dachte ich mir aber, dass auf Einzelschicksale jetzt keine Rücksicht genommen werden kann. Also im Grunde genau wie im Zentralabitur. Also habe ich mich entschlossen mit einem Zitat von Marie von Ebner-Eschenbach zu beginnen: „Jeder Mensch hat ein Brett vor dem Kopf – es kommt nur auf die Entfernung an.“
Ist es der Schule und vor allem uns als Schülern gelungen unser Brett in diesen 13 Jahren in solch eine Entfernung zu rücken, dass wir keine Gefahr mehr laufen uns den Kopf zu stoßen?
Als wir vor 13 Jahren voller Erwartung in unsere Schultüte griffen, hielten wir zunächst auch ein kleines schwarzes Brett in den Händen. Durch unsere kindliche Entdeckerfreude fanden wir aber schnell heraus, dass es sich bei diesem Brett um ein Schwarzbrot handelte, natürlich aus biologisch – dynamischer Landwirtschaft. Dieses Schwarzbrot war das Symbol dafür, dass man sich zuerst irgendwo durchbeißen muss, bevor man, wie z.B. in der Schultüte, an die Süßigkeiten kommt.
Jetzt bleibt die Frage: Haben wir denn gelernt uns durchzubeißen?
Die Tatsache, dass alle 44 von uns das Abitur bestanden haben und keiner durchgefallen ist spräche dafür. Das Konzept der Waldorfschule birgt eine Vielzahl an Werkzeugen um das Brett vor unseren Köpfen auf Distanz zu bringen. Gerade nicht durch eine einseitige Förderung des Intellekts, sondern durch die Ausbildung der Hände, Füße und überhaupt des ganzen Körpers ist es uns gelungen, das Brett nicht nur wegzudenken, sondern es wirklich soweit wegzuschieben, dass ein großer Raum an Bewegungsfreiheit entstanden ist. In der Oberstufe war das Brett sogar oft außer Sichtweite. Dies verdanken wir dem Landbau- , dem Feldmess- und Handwerkspraktikum sowie dem Sozialpraktikum. Ferner den verschiedenen Theaterstücken, nicht zuletzt unserer Revue „Bubikopf und Stresemann“, der Kunstreise und meine Klasse natürlich unserem großartigen Russischprojekt. Während dieser ganzen Zeit bildeten die Lehrer einen großen
Teil des Werkzeugkastens. All diese Sachen auch wieder ein Beweis dafür, dass an unserer Schule nicht nur der Kopf, sondern der ganze Körper dazu ausgebildet wird das Brett in die Entfernung zu schieben. An dieser Stelle möchte ich an Michael Matt erinnern, der heute wahrscheinlich mit uns zusammen sein Abiturzeugnis entgegennehmen würde. Wir alle blicken auf eine sehr schöne Schulzeit zurück. Deshalb bedanke ich mich im Namen aller Abiturienten bei unseren Lehrern, die es geschafft haben uns immer wieder zu zeigen,
in welche Richtung das Brett zu schieben ist. Auch, oder besonders gerade dann, wenn es sich so anfühlte als würde das Brett immer näher kommen. Für uns Abiturienten geht es jetzt daran, das Brett auf Distanz zu halten, einige im Ausland, einige an Universitäten, andere als Zivis oder FSJler und wieder andere beim Bund oder in einer Ausbildung. Ich möchte mit den Worten des österreichischen Schriftsteller Arthur Schnitzler enden:
„Ein Abschied schmerzt immer, auch wenn man sich schon lange darauf gefreut hat.“
Natürlich möchten wir auch die SchülerInnen der Klassen 10 und 11 nicht vergessen:
Auch alle Schüler der 11.Klassen haben sich erfolgreich den Prüfungen zur Mittleren Reife unterzogen, ebenso, wie einige Zehntklässler, die jetzt einen Hauptschulabschluss „in der Tasche haben“.
Allen Schülern, die mit diesen Abschlüssen die Schule zum Sommer verlassen werden, wünschen wir alles Gute für die Zukunft.