Quellen und Nachwort

Schilderungen auf der Internetseite der Schule zur Schulgeschichte schienen mir von eigenen Erinnerungen abzuweichen. Auf Bitte um Korrektur hin gab der Geschäftsührer, Herr Farr, mir den Rat, selber einen Text zu verfassen zu suchen. Denn es sei niemand mehr da, der über die Vergangenheit genauer Bescheid wisse.
Also waren alle, die für das Thema geeigneter wären, nicht mehr zu erreichen?
Auch schien die Schule über kein Archiv älterer Dokumente mehr zu verfügen.
Hätte man ahnen können, dass diese Frage einmal auf einen zukommen würde, dann hätte man selber das eine und andere gesammelt. So war man auf öffentliche Quellen angewiesen.
Im Vereinsregister am Amtsgericht Hamburg wurden alle seit der Schulvereins-Gründung dort unter der Registernummer 1504 gesammelten Unterlagen sogleich zur Einsichtnahme herausgesucht und sogar ein zweites Mal für die Digitalisierung wichtiger Dokumente bereitgestellt worden.
Im Staatsarchiv Hamburg wurde sorgfältig bei der Suche nach möglichen Akten beraten. Und richtig: unter Schulamt Hamburg und der herausgefundenen Signatur 361-2 VI 1879 BD 1 fanden sich Schriftstücke, die aus Verwaltungsvorgängen mit der Schule stammten von 1931 bis zum Verbot der Schule 1939. Ein weiteres Mal wurden die Unterlagen aus dem Magazin bereitgestellt, damit zu digitalisierende Schriftstücke ausgewählt und markiert werden konnten. Weitere Bände 2 bis 4 enthalten persönliche Daten von Eltern, die ihre Kinder, nachdem die Altonaer Lehrer die Schule aufgelöst hatten, um den geforderten Eid auf Hitler zu umgehen, in Wandsbek wiederanmelden wollten. Solche Daten haben lange Schutzfristen. Zur Zeit wird geprüft, ob der Sachverhalt Verkürzung der Schutzfrist erlaubt.
Weitere Quellen sind:
Heinz Müller: Spuren auf dem Weg, J. Ch. Mellinger Verlag Stuttgart, 2. Auflage 1976,
Ilse Rolofs: Von der Entstehung der Goethe Schule in Hamburg-Wandsbek, Bericht zur 50-Jahr-Feier der Gründung 1972, aus Lehrerundbrief 1972 vom Bund der Waldorfschulen,
Texte zur Heileurythmie, die der Sohn von Ilse Rolofs zur Verfügung stellte.
mündliche Berichte von Heinz Müller etwa 1965 gegeben,
mündliche Berichte von Ingeborg Schröder bis in die 80er Jahre hinein,
eigene Erinnerung als Schüler 1947 bis 1956, als Lehrer 1976 bis 2001.

Die Beschäftigung mit der Schulgeschichte hat natürlich viel Erinnerung wieder wachgerufen an die Nachkriegsjahre: Die Stadt in Trümmern, kaum geheizte übervölkerte, enge Wohnräume, die zahlreichen Kriegsversehrten in den Straßen, das Englische Militär, ständiger Hunger, abgetragene, verschlissene Kleidung, abenteurliche Bahnfahrten, lange Erzählungen wildfremder Leute, der ostpreussische Dialekt . . . Und in dieser angegriffenen Welt haben die Lehrer für uns etwas Neues für uns zu schaffen gesucht mit Inhalten, in denen der Wert von Taten Gewicht hatte und kostbare Schönheiten auftauchten.
Dennoch muss ich gestehen, dass mit der Oberstufenzeit der Eindruck entstand, die Schule liege hinter dem Mond. Erst während des verspäteten Studiums wurde mir deutlich, welche Schätze an Wissen und vor allem an Anregungen die Schule mir vermittelt hatte!
Da kann ich nur hoffen, dass ich mit diesem Versuch zur Schulgeschichte damaliger Arbeit der Lehrer und der Schulgemeinschaft eine dankbare und einigermaßen angemessene Würdigung entbiete.

Hamburg, den 19. April 2010

Ludolf Kolligs